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12.06.1994

Erschienen in: Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 118 / hg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz. Bonn: 1994. S. 64-70.

/ für die Datenübertragung aufbereitet von Andreas Schwenzer, Kath.-Theol. Fak., Uni Würzburg.


Die Empfehlungen zur Arbeit der EKSF wurden von der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz vom 23.-26. September 1985 beschlossen. Der Ständige Rat hat sich am 2. Juli 1990 erneut mit diesen Empfehlungen befaßt und die Zentralstelle Bildung beauftragt, die Verantwortlichen in den Diözesen über diese Empfehlungen neu zu informieren.

Empfehlung:

Das eigenständige pastorale Angebot für die Lehrenden und Lernenden an den Fachhochschulen sollte erhalten und weiterentwickelt werden.

Begründung:

Die Fachhochschulen haben sich in den mehr als zehn Jahren ihres Bestehens zu einem anerkannten Element der allgemeinen Hochschullandschaft entwickelt. Gegenwärtig sind an ihnen über 276000 Studenten eingeschrieben, das ist mehr als 1/5 aller Studenten. Von den Fächern sind vor allem die Ingenieurwissenschaften (traditionell) an den Fachhochschulen besonders stark vertreten. Insbesondere die Absolventen dieser Fächergruppe haben sich auf Berufsfeldern der mittleren Ebene gegenüber Universitätsabsolventen behaupten und zum Teil sogar durchsetzen können. Unter anderen Vorzeichen trifft diese Feststellung auch für den Studiengang Sozialwesen (Sozialarbeit, Sozialpädagogik und Heilpädagogik) zu, dessen Absolventen zu einem nicht unbeträchtlichen Teil auch in kirchlichen Einrichtungen tätig werden. Die Fachhochschulen sind mithin Ausbildungsstätten des tertiären Bereiches, die ihre Studenten zu ihrem überwiegenden Teil nach dem Studium in das Berufsleben entlassen (und nicht - wie in der bildungspolitischen Diskussion bisweilen unterstellt worden ist - nur für ein Universitätsstudium vorbereiten). Wegen der Bedeutung der Studiengänge "Sozialwesen" und "Religionspädagogik und kirchliche Bildungsarbeit" für die eigene Arbeit unterhält die Kirche sechs Fachhochschulen und die Fachhochschulstudiengänge an der katholischen Universität Eichstätt. Das Studium an Fachhochschulen unterscheidet sich von dem an wissenschaftlichen Hochschulen beträchtlich. Das Fachhochschulstudium ist straffer organisiert, wesentlich kürzer (sechs Studiensemester und ein Jahr Praxis in unterschiedlicher Zuordnung zur Fachhochschule) und ist über die gesamte Studienzeit durch einen ständigen Bezug zur Berufspraxis charakterisiert. Auch die Studiensituation unterscheidet sich beträchtlich: Die Fachhochschulen sind im Durchschnitt kleiner als die wissenschaftlichen Hochschulen und noch stärker disloziert. Diese und andere Rahmenbedingungen führen dazu, daß sich die geistig-religiöse Situation der Fachhochschulstudenten und ihr Interesse an Angeboten außerhalb des normalen Studienablaufs deutlich von dem der Studenten an wissenschaftlichen Hochschulen unterscheidet. Die Fachhochschulstudenten sind besonders deutlich an einem raschen Abschluß ihrer Ausbildung orientiert und sind zudem zeitlich durch die Zahl und die verbindliche Ordnung der Lehrveranstaltungen weitgehend ausgelastet. Schon deshalb sind sie nur begrenzt für studienbegleitende Angebote etwa der Hochschulgemeinde zu gewinnen. Der oben skizzierte Eigenstand der Fachhochschulen innerhalb der Hochschullandschaft sowie die besondere Disposition der Fachhochschul-Studenten lassen es geraten erscheinen, an einem eigenen pastoralen Angebot für die Fachhochschulen festzuhalten und diese weiterzuentwickeln. Dies gilt um so mehr, als die EKSF die einzige Organisation ist, die sich an alle (katholischen) Mitglieder aller Fachhochschulen im Bundesgebiet wendet (übergreifend arbeitet sonst nur noch der Hochschullehrerbund, der sich aber nur als Standesvertretung der Professoren an Fachhochschulen versteht).

Empfehlung:

Für jeden Fachhochschul-Standort sollte ein spezielles pastorales Angebot gemacht und ein hierfür Verantwortlicher benannt werden. Soweit eine andere Besetzung nicht in Frage kommt, sollte der (zuständige) Ortspfarrer oder ein anderer Geistlicher mit dieser Aufgabe nebenamtlich betraut werden.

Begründung:

Der Bericht weist aus, daß an 49 der insgesamt 127 Standorte von Fachhochschulen weder eine Hochschulgemeinde eingerichtet noch eine andere pastorale Begleitung - etwa durch den zuständigen Ortspfarrer - verbindlich vorgesehen ist. Im Sinne der oben ausgesprochenen Empfehlung sollte in allen Diözesen darauf hingewirkt werden, daß für jeden Fachhochschul-Standort ein entsprechendes pastorales Angebot gemacht und ein hierfür Verantwortlicher benannt wird. Die vorhandenen Fachhochschulgemeinden sind zum Teil sehr unterschiedlich strukturiert und personell besetzt. So gibt es "gemischte" Gemeinden, die sowohl für wissenschaftliche Hochschulen wie auch für Fachhochschulen zuständig sind. Eine ganze Reihe von Gemeinden wird nebenamtlich betreut und nur an ganz wenigen sind Geistliche bzw. Gemeindeassistenten ständig tätig. Aufgrund dieser sehr unterschiedlichen Situation in den einzelnen Gemeinden gibt es eine relativ breite Erfahrung mit den Vor- und Nachteilen der verschiedenen Lösungsmöglichkeiten. Um die Pastoral an den (zum Teil relativ kleinen) Fachhochschulen möglichst kontinuierlich zu gestalten, empfiehlt es sich - soweit eine andere Besetzung ausscheidet -, den (zuständigen) Ortspfarrer oder einen anderen Geistlichen mit dieser Aufgabe nebenamtlich zu betrauen. Dies dürfte am ehesten auch der Weg sein, ein möglichst flächendeckendes seelsorgliches Angebot für alle Fachhochschulen in der Bundesrepublik Deutschland zu verwirklichen. Daß ein nebenamtlicher Geistlicher angesichts dieser doppelten Belastung nicht alle bei einer hauptamtlichen Besetzung denkbaren Aktivitäten entfalten kann, dürfte auch mit Blick auf die in der Regel begrenzte Zielgruppe hinnehmbar sein.

Empfehlung:

Die EKSF sollte in ihrer Arbeit auch weiterhin die Grundlinien einer den besonderen Bedingungen der Fachhhochschule angepaßten Pastoral bedenken und dabei insbesondere das missionarische Anliegen berücksichtigen.

Begründung:

Die Errichtung von Fachhochschulen, die ab 1969 aufgrund einer Vereinbarung der Bundesländer einsetzte, war Anlaß für die Gründung der EKSF im Jahr 1971. Sie löste die Einigung katholischen Studenten an Ingenieur- und Höheren Fachschulen in Deutschland (EKSI) ab, die 1960/61 als Pendant zur KDSE gegründet worden war. Gegenwärtig gibt es 78 Hochschulgemeinden, die für Fachhochschulen zuständig sind und von denen der größte Teil in der EKSF mitarbeitet. Diese Fachhochschulgemeinden und die EKSF bilden neben den katholischen Fachhochschulen das zentrale Element kirchlicher Präsenz im Fachhochschulbereich. Im Unterschied zu den wissenschaftlichen Hochschulen spielen akademische Verbände an den Fachhochschulen neben den Gemeinden kaum eine nennenswerte Rolle. Zwar sind der Hochschulring im Bund Neudeutschland (KSJ-HSR) und der Technische Cartellverband (TCV) an den Fachhochschulen vertreten (und neben den Hochschulgemeinden auch Mitglieder der EKSF), konnten aber bislang nur einen sehr begrenzten Personenkreis ansprechen. Diese zentrale Rolle der Hochschulgemeinden verweisen insbesondere die EKSF darauf, über die Grundlinien einer den besonderen Bedingungen der Fachhochschule angepaßten Pastoral nachzudenken. Dabei sollte vor allem auch das missionarische Anliegen berücksichtigt werden. Dies gilt um so mehr, als die bisherige Erfahrung zeigt, daß das Bildungsangebot der EKSF bei ihrem Adressatenkreis nicht immer die Resonanz findet, die eigentlich wünschenswert wäre. Die EKSF hat in der zurückliegenden Zeit bereits verschiedentlich entsprechende konzeptionelle Überlegungen eingeleitet, die in Zukunft aber auch im Sinne einer ständigen Selbstreflexion intensiviert werden sollten.

Empfehlung:

Im Rahmen der Bildungsarbeit der EKSF sollte die Vermittlung von Glaubenswissen ein noch stärkeres Gewicht erhalten.

Begründung:

Das Bildungsangebot der EKSF weist eine thematische Vielfalt auf, wobei religiös-theologische Fragen einen Schwerpunkt bilden. Die Themen sind dabei durchweg so gewählt, daß die Fragen der persönlichen Lebensgestaltung und der eigenen Verantwortung für Kirche, Staat und Gesellschaft im Mittelpunkt stehen oder die Kreativität der Seminarteilnehmer angesprochen wird. Vor dem Hintergrund des allgemein stark abnehmenden Glaubenswissens und der vielfach feststellbaren Unfähigkeit, über den eigenen Glauben zu reflektieren, sollte bei den Bildungsangeboten der EKSF der Akzent stärker hin zu pastoralen Angeboten verschoben werden. Dabei sollten gezielt auch solche Seminare vorgesehen werden, die die Vermittlung von Glaubenswissen zum Inhalt haben.

Empfehlung:

Die EKSF sollte den Teil ihrer Arbeit, der sich gezielt an Fachhochschullehrer richtet, künftig noch intensivieren. Dabei sollte die Mitarbeit von Dozenten in der EKSF verstärkt und die Bildung von Dozentenzirkeln an den einzelnen Fachhochschulen gefördert werden.

Begründung:

Die EKSF hat auch bislang schon die Professoren und sonstigen Lehrkräfte an den Fachhochschulen in die eigene Arbeit eingebunden. So sieht die Satzung vor, daß ein Hochschullehrer Mitglied des Hauptvorstandes ist. Die Mitwirkung von Hochschullehrern besteht gegenwärtig vor allem aus der Mitgestaltung der allgemeinen, sich schwerpunktmäßig an Studenten richtenden Arbeit. Gezielt an Professoren richten sich die Hochschullehrertage, die bislang einmal im Jahr stattfinden und jeweils einen kleineren Kreis von Fachhochschullehrern zusammenführen. Diese Tagungen wie auch Erfahrungen einzelner Hochschulgemeinden mit entsprechenden Initiativen zeigen, daß entsprechende gezielt auf die Interessen von Fachhochschullehrern zugeschnittene Angebote durchaus eine positive Resonanz fnden. Die EKSF wie auch die Fachhochschulgemeinden allgemein sollten darum die Arbeit auf diesem Feld intensivieren und ein breiteres Angebot für die Fachhochschullehrer entwickeln.

Empfehlung:

Die personelle Ausstattung der EKSF durch einen (nebenamtlichen) Geistlichen Assistenten und zwei Referenten sollte erhalten bleiben, da sie eine wesentliche Voraussetzung für den Erhalt der Kontinuität und für konzeptionelle Anstöße innerhalb der EKSF bildet.

Begründung:

Zentrale Organe für die Gestaltung der (Bildungs-)Arbeit der EKSF sind der sechzehnköpfige Hauptvorstand und der aus fünf Personen bestehende Geschäftsführende Vorstand (wobei der pastorale Mitarbeiter als beratendes sechstes Mitglied hinzukommt). Die Zusammensetzung dieser beiden Gremien wie auch die Rahmenkompetenz der Vertreter-Versammlung (= "Mitgliederversammlung") gewährleisten, daß die Anliegen und Interessen der Fachhochschulgemeinden Berücksichtigung finden. Kontinuität und konzeptionelle Anstöße gehen in diesen Gremien vor allem von dem (nebenamtlichen) Geistlichen Assistenten, dem Bildungsreferenten und dem pastoralen Mitarbeiter aus, die bei der EKSF befristet auf sechs Jahre beschäftigt sind. Die Förderung eines möglichst alle Fachhochschulen erreichenden pastoralen Angebots sowie die Umsetzung der o.g. Anregungen für die inhaltliche Arbeit wird vor allem von diesen drei Mitarbeitern getragen werden müssen. Ihnen kommt mithin für die gegenwärtige Arbeit und die künftige Entwicklung der EKSF eine besondere Bedeutung zu. Die Stelle des pastoralen Mitarbeiters ist 1979 befristet auf sechs Jahre zur Unterstützung des seinerzeit gewonnenen nebenamtlichen Geistlichen Assistenten eingerichtet worden. Da die EKSF vom Sparbeschluß des VDD betroffen ist, soll diese Stelle entfallen. Die EKSF hat sich einerseits für die Beibehaltung der bisherigen Lösung ausgesprochen, andererseits aber auch nach Möglichkeiten gesucht, wie die sich bei der Durchführung des Sparbeschlusses ergebende Lücke geschlossen werden kann. Der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz hat dabei auf die Möglichkeit verwiesen, bei der anstehenden Bestellung eines neuen Geistlichen Assistenten in diesem Jahr einen Priester hauptamtlich zu gewinnen. Die Erfahrungen mit der bisherigen Freistellungspraxis für überdiözesan tätige Priester sowie die Ergebnislosigkeit der bisherigen Bemühungen der EKSF, einen Priester für einen hauptamtlichen Einsatz zu gewinnen, lassen aber diesen Weg als kaum realisierbar erscheinen. Bei dem nach dem Sparprogramm vorgesehenen Ausfall des pastoralen Mitarbeiters dürfte es aber auch kaum möglich sein, einen Priester selbst für ein nebenamtliches Engagement in der EKSF zu gewinnen. Um die personellen Voraussetzungen für die oben empfohlene Intensivierung der pastoralen Arbeit im Fachhochschulbereich zu gewährleisten, sollte das Sparprogramm des VDD nochmals mit dem Ziel überdacht werden, die personelle Ausstattung der EKSF in ihrer gegenwärtigen Form (nebenamtlicher Geistlicher Assistent, hauptamtlicher pastoraler Mitarbeiter und hauptamtlicher Bildungsreferent) zu erhalten.

Ergänzende Bemerkung:

Es zeigt sich, daß sich zwischen der Satzung der EKSF und der tatsächlichen Praxis zum Teil erhebliche Abweichungen ergeben. So weist die Satzung der EKSF als einen Personenverband aus, während die Einigung nach Selbstverständnis und tatsächlichem Befund eine subsidiäre Arbeitsgemeinschaft von Fachhochschulgemeinden ist (wobei allerdings mit der Katholischen Studierenden Jugend - Hochschulring und dem Technischen Cartellverband zwei - kleinere - Verbände ihrerseits Mitglied der EKSF sind). Neben dieser grundsätzlichen Spannung weist die Satzung noch einige kleinere Unebenheiten auf. Diese beiden Gesichtspunkte machen grundsätzlich eine Überarbeitung der Satzung notwendig. Da die gegenwärtige Praxis aber weitgehend unproblematisch ist und die gültige Satzung ein flexibles Eingehen auf die heterogenen Verhältnisse an den einzelnen Fachhochschulen erlaubt, scheint eine Grundsatzdebatte über die Grundordnung zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht opportun. Die entsprechenden Korrekturen sollten vielmehr vorgenommen werden, wenn sich aus den inneren Abläufen der EKSF ohnehin ein Anlaß für eine Novellierung ergibt. Diese Empfehlung erfolgt vor dem Hintergrund, daß die EKSF verbindlich zugesagt hat, bei einer anstehenden Neubesetzung der Stelle des Geistlichen Assistenten, des pastoralen Mitarbeiters oder des Bildungsreferenten/Geschäftsführers bereits bei der Aufstellung der Kandidatenliste das Einvernehmen mit der Kommission für Fragen der Wissenschaft und Kultur der Deutschen Bischofskonferenz herzustellen. Bislang unterstellt zwar § 9 der Satzung der EKSF e.V. den Verein generell der Aufsicht "des jeweiligen Referenten der Deutschen Bischofskonferenz für Akademiker- und Studentenseelsorge" und gibt ihm das Recht der jederzeitigen Überprüfung, eine ausdrückliche Mitwirkung der Deutschen Bischofskonferenz bei personellen Entscheidungen ist aber nur für den Geistlichen Assistenten in Form der nachträglichen Bestätigung der Wahl vorgesehen (vgl. § 7 Abs. 3 der Satzung der EKSF)

Bonn, den 12.6.1985

Quelle

Empfehlungen zur Arbeit der Einigung katholischer Studenten an Fachhochschulen (EKSF) (VAS118C)